Kontraste in der Hafenwelt

Eigentlich sollte hier erst nach dem Ende des Törns etwas Neues stehen. Aber wie das Leben so spielt…. Innerhalb kürzester Zeit haben wir das Universum der Häfenoptionen von dem einem Extrem in das Andere durchquert. Zur Beruhigung: Es ging ohne „unkontrolliertes Anluven“ ab! [Bemerkung zu besorgten Leserreaktionen auf die „Sonnenschussepisode“: Es ist bei derartigen Dingen wie mit Krankheiten. Suche niemals danach im Internet! Dem kann man nicht vertrauen! Frage lieber vertrauenswürdiges Fachpersonal – was natürlich immer schwer zu finden ist.]
Nach der Umrundung Ærøs mit frischem Wind, Wellen gegenan und viel Wasser auf dem Deck [Erinnerung für die nächste Törnplanung: Ærø beim nächsten Mal einfach mal auslassen] ging es unter Schwachwind über Skjoldnæs wieder über den Kleinen Belt nach Mommark.
Mommark wird zu Unrecht immer noch in den Hafenhandbüchern schlecht besprochen. Ein kleiner, ruhiger und sehr ursprünglicher Hafen, der auch für Schiffe mit mehr als 1,60 m Tiefgang zugänglich ist.

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Wir haben dort an den Schwimmstegen bestens gelegen und alles gefunden, was wir brauchten. Der Hafenmeister (gleichzeitig Campingplatzwart, Imbissbudenbetreiber und Ansprechpartner für dies&das) war durch nichts aus der Ruhe zu bringen und servierte uns den besten Burger, den wir seit langem gegessen haben. Und das alles mit einem herrlichen Blick auf den Belt und Ærø.

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Also Mommark sieht uns wieder….
Dann ging es mit einem fast 180 Grad Kurs und achterlichem Wind um die 3 Bft sehr entspannt in die Schlei nach Maasholm. Die Begrüßung sah wie folgt aus: Wir legen an. Vorleinen sind gerade fest. Bugcrew und Steuermann besprechen noch kurz, ob die white sparrow gut liegt, da schieben schon zwei „alteigesessene Stegbesitzer“ mit einem vorwurfsvollem Fusstritt die beiden Enden der Vorleinen an den Stegrand. Sie lagen tatsächlich „vorschriftswidrig“ ganze 30 cm zu weit vom Rand des 3 m breiten Stegs entfernt. Das musste geahndet werden…. Immerhin stellt sowas eine Unfallgefahr dar! Achja und: „AUF DEM STEG WIRD NICHT GERANNT!“ – Jetzt nicht aufhören zu lesen! Es geht noch ein bisschen besser! – Herzlich willkommen in Deutschland.
Egal. Die Mannschaft bekommt ihren Willen und macht Teile des Hafens auf eigenem Kiel unsicher.

20130720-232240.jpg Das lässt die Stimmung steigen.
Am nächsten Tag geht es die Schlei hoch (oder runter?) nach Kappeln. Dort wird dann Geburtstag gefeiert. Es war eine logistische Höchstleistung, auf 20 Fuß Schiff erstens 1 Woche lang die Geburtstagsgeschenke ohne Schäden und Verlust zu verstecken und zweitens auch noch einen „adäquaten“ Geburtstagstisch zu fabrizieren.

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Okay, Erdnussflips als Geburtstagskuchenersatz ist jetzt nicht so der Renner, aber wir waren wenigsten kreativ….
Sooo und nun zum bisherigen Höhepunkt der Reise in Sachen: „Oh Gott ein Boot unter 30 Fuss mit Kindern an MEINEM Steg“. Ich sage nur: „Schleswig Stadthafen“. Eigentlich ideal am Ende der Schlei gelegen. Die Fahrt, also von „Fahrt“ kann man nicht schreiben, nennen wir es besser qualifiziertes Treiben… Oder wann kann man auf einem wind(!)getriebenen Gefährt Seifenblasen pusten? (Wenn man ganz genau hinsieht, erkennt man eine.)

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Dann also erreichen wir Schleswig Stadthafen. Wie gesagt, schön und günstig gelegen. Aber in Hafenhandbüchern steht eben nix zu Stegnachbarn. Die white sparrow hatte sich kaum in der Boxengasse blicken lassen, da stand ER auf seinem 36 Fuss langen Motorsegeler. Die Boxen waren bzw. sind, das muss man schon zugeben, etwas zu groß für die white sparrow. Aber was soll man machen, wenn alle Welt eben nichts unter 30 Fuß mehr fährt und die Hafenbetreiber darauf reagieren müssen. Wir tuckern also in die Gasse und pieken in eine freie Box.
1. Akt: Kaum sind die Heckleinen über dem Dalben, der erste Kommentar von IHM: „Das wird wohl nicht reichen!“ (Er meinte die Länge der Festmacher). Ich zu mir selbst: „Denkste, kurzes Schiff langer Festmacher. Auf die Länge kommts eben ab und zu doch an. So billig lass ich mich nicht abspeisen“. zu IHM: „Schau mal mal“ *grins*
2. Akt: Vorne ist die white sparrow am Steg angekommen. ER hilft nicht die Vorleine anzunehmen. Das erledigt mittlerweile jemand Anderes (Danke nochmal auf diesem Weg). Die Heckleinen reichten (natürlich!) und die Vorleinen liegen nun lose um die Poller. ER: „Wenn Sie da drüben (er weist auf die andere Seiten des Stegs an dem ein paar kleine Fischer- und Motorboote liegen) anlegen, geht es einfacher mit dem rauskommen aus dem Boot, da ist nämlich eine Zwischentreppe.“ Da hätte er mich fast gehabt… Ich: „Achja, das ist eigentlich besser.“ ER (nun körperlich unterstützt durch seine Frau): „Wenn hier Wind aufkommt, schwojt ihr Boot ohnehin zu sehr, auch wenn Sie die Heckleinen kreuzen!“ Ich, immer noch guten Willens: „Hm, wie komme ich denn da hin?“ ER: „Da müssen Sie ganz außen rum.“ Einwand vom Bug der white sparrow: „Die Dalben sind eventuell zu schmal.“ ER sofort: „Nee, nee das passt schon, machen Sie mal.“ Und das war bei mir zu viel des Guten.
3. Akt. Renitenz. Ich denke mir: „Komm, was soll’s“. Es sind (was zutrifft) reichlich freie Liegeplätze auch für dicke Schiffe im Hafen vorhanden. Wir nehmen also niemanden was weg. Außerdem fällt mir auf: „Wind? Sagte er Wind?“ Es waren den ganzen Tag über unglaubliche 2 Bft „Wind“. Und die Vorhersage liegt bei einem Bft. Da schiesst mir dieses Quentchen Provokation ins Blut und ich sage: „Ach vielen Dank für den Tipp. Aber wissen Sie, wir sind breiter als wir aussehen… *grins* Das passt wahrscheinlich mit der anderen Box nicht (tatsäclich war uns sowas schon passiert). Und es ist doch ganz schön hier…“ Und fröhlich flötend in Richtung der eigenen Stegcrew: „Mach mal feeeheest…“ Kurz danach überfroren Teile des Hafens.
Unseren Senf bekamen wir natürlich auch von der anderen Seite der Box (Immerhin haben die ja auch Fenderschonbezüge mit dem Namen des Schiffes eingestickt…- ich frage mich immer wieder wozu eine Fender, der was vom Schiff abhalten soll, eigentlich „geschont“ werden muss) durch unverhohlene Hinweise auf die Außenliegeplätze für die „kurzen Schiffe“. Irgendwie haben es die heute alle mit der „Länge“ gehabt. Dabei weiss man doch eigentlich, dass auch die Technik wichtig ist…
Auch das war egal, wir haben Eis gegessen und fünf gerade sein lassen. Daher konnten wir jedefalls den Sonnenuntergang geniessen.

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Kulinarisches aus Dänemark

Der Törn hat kaum begonnen und schon offenbaren sich die ersten Nachlässigkeiten und kleinen Sünden. Gestern haben Mannschaft und Boot sich beim Südausgang des Kleinen Beltes einen Sonnenschuss geleistet. Die white sparrow war dann doch in dem auffrischenden Wind mit etwas viel Zeug unterwegs. Kommentar des jüngsten Mannschaftsmitglieds, plötzlich von der Seekrankheit genesend und breit grinsend: „Das war ja wie ein Delphinsprung….“ Nun ja, der Rest war weniger begeistert. Wir haben dann mal gerefft (Reff 2) und waren trotzdem noch mit 5 Knoten und damit für unsere Verhältnisse flott unterwegs und erreichten gestern abend Marstal.
Die nachlassende Aufmerksamkeit zeigte sich dann heute bei einer weiteren kulinarischen (und meines Erachtens seemannschaftlichen) Sünde, die einen Namen hat: OMA:
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Dabei handelt es sich um ein Erdölderivat, welches nur durch den Namen in der Lage ist, Vertrauen aufzubauen (ich habe meine Oma’s leider nicht gut kennengelernt, bin mir aber gaaanz sicher, sie würden sich ernsthaft wehren gegen ihre Vereinnahmung durch die „Produzenten“ dieses Produktes). Es soll zum Braten und Backen sich eignen, was ich aufgrund der geringen Kühlkapazitäten für naturbasierte Fettprodukte, ausprobieren musste. Und ja, die Eier liessen sich danach von der Pfanne lösen….
Ich bin fest davon überzeugt, dass auch dieses Zeug unter die Stoffe fällt, für die mit dem Endlagersuchgesetz ein dauerhafter Entsorgungsort gesucht werden soll!
Ansonsten gab’s Essen aus dem neuen Kochbuch:
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Die Mannschaft hatte sich daraus das Gericht „Nordpol und Südpol“ gewünscht. Grundlage ist Kartoffelbrei. Aufgrund der geringen Gasvorräte an Bord, griffen wir auf ein Produkt…ach lassen wir das lieber. Es ist eine weitere Sünde und andere Geschichte…

Nachlese KiWo

Hach wie war der Kieler Woche Herbst dieses Jahr wieder mild. Es fing ja wirklich schlecht an! Kaum Wolken, 20 Grad Celsius ließen die Sorge aufkommen, die 5. Jahreszeit in Kiel könnte wettertechnisch in diesem Jahr ausfallen. Einen derartigen Mond hatte man zum Auftakt der Kieler Woche in Schilksee ja selten gesehen:

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Und auch der Blick auf die white sparrow von oben war regenungetrübt:

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Aber dann klappte es doch noch mit dem Wetter. 12 Grad, Regen und strichweise kräftiger Wind retteten den Ruf der Kieler Woche.
So und nun stehen die Ferien an und die Hochdrucklage darf sich nun einstellen…

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